Projekttage zum Thema „Identität“ sind kaum denkbar ohne ein entsprechendes philosophisches Angebot. Und so stürzten sich am zweiten Tag der diesjährigen Projekttage 23 furchtlose Nachwuchsphilosophen aus Jahrgang 07 in entsprechende Denkabenteuer.

„Gummihand-Illusion“, „Aristotelische Täuschung“, „Illusion am Ellenbogen“, „tauber Finger“, „Pinocchio-Illusion“ – bereits der Einstieg in das diesjährige Blockseminar der Philosophie-AG des GSG ließ erahnen, dass in diesem Jahr ein Schwerpunkt des gemeinsamen Philosophierens in der Praxis lag.

„Wo wohnt die Zeit?“ – „Gibt es eine Gegenwart, wo sie doch eben noch Zukunft war und gleich Vergangenheit sein wird?“ – Fragen wie diesen stellten sich am 26.09.2010 im Rahmen des Weltkindertages neun Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums, welche im Theaterfoyer an einer philosophischen Gesprächsrunde mit dem Bad Zwischenahner Grundschullehrer und Lehrbeauftragten am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg, Hans-Joachim Müller, teilnahmen.

„Nur noch kurz die Welt retten?“ – Unter diesem Titel startete am 11. Januar auf Initiative von Herrn Schulze die erste Auflage des „Philosophischen Gesprächskreises“ am GSG. Der promovierte Philosoph Dr. Michael Niekamp (Frankfurt) – ein ehemaliger GSG-Schüler – und Herr Roland Knillmann, Pressesprecher der Caritas im Bistum Osnabrück, beleuchteten mit zwei Eingangsreferaten die Thematik „Effektiver Altruismus“.

Michael Niekamp verdeutlichte, dass wir uns zwar für wohltätige Zwecke engagieren (etwa durch Spenden oder ehrenamtliche Arbeit), uns jedoch häufig nicht mit der Frage beschäftigen, ob dieser Einsatz wirklich effektiv ist. An interessanten und überraschenden Beispielen, die der Lebenswelt der gebannt lauschenden Oberstufenschüler entnommen waren, verdeutlichte er, dass eine Optimierung der eingesetzten Ressource in vielen Fällen möglich wäre. So lässt sich z.B. der Bildungsgrad in Entwicklungsländern am effektivsten nicht etwa durch Stipendien oder den Aufbau einer Schulmensa steigern, sondern durch reine Informationskampagnen, welche den betroffenen Eltern die mit besserer Bildung verbundenen sozialen Aufstiegsmöglichkeiten aufzeigen.

Roland Knillmann informierte im im zweiten Eingangsreferat über die Entwicklungsarbeit der Caritas und deren Bemühungen, eingeworbene Spendengelder hilfebringend einzusetzen. Er verwies hierbei u.a. auf die notwendige kontinuierliche Evalutation der einzelnen Projekte, um die Hilfeleistungen immer wieder neu an veränderte Bedingungen und Bedürfnisse anzupassen.

In die anschließende lebhafte Diskussion brachten sich die Schülerinnen und Schüler mit einer Vielzahl von interessierten Rückfragen und kritischen Stellungnahmen ein. Der „Startballon“ für den „Philosophischen Gesprächskreis“ am GSG gestaltete sich somit äußerst erfreulich, so dass eine Fortsetzung mit weiteren interessanten und gesellschaftlich relevanten Themen nicht lange wird auf sich warten lassen. Ein herzliches Dankeschön noch einmal an die beiden engagierten Referenten für ihre Unterstützung!

Das diesjährige Blockseminar der Philosophie-AG des GSG beschäftigte sich mit dem Thema der Abgrenzung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft. Gerade angesichts der immer unübersichtlicher werdenden Zahl angebotener „Heilslehren“, Therapieformen, Verschwörungstheorien und Welterklärungsmodellen, welche nicht selten mit quasi wissenschaftlich anmutenden Versprechungen locken, sind solide wissenschaftstheoretische Grundkenntnisse unabdingbar, um seriöse Theorien von Scharlatanerie unterscheiden zu können.

Mit diesem Ziel verbrachten 21 philosophisch interessierte und motivierte Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10-12 vom 05.-07.02.2016 ein gemeinsames Wochenende im Naturfreundehaus in Belm-Vehrte. Nach einer begrifflichen Klärung, was unter „Wissen“ überhaupt zu verstehen ist, wurden anhand des bekannten Alltags-Problems verschwundener Socken nach einem Waschgang verschiedene Aspekte wissenschaftlicher Hypothesen- und Theoriebildung veranschaulicht. Gegen die Hypothese, in der Waschmaschine hause ein unsichtbares sockenfressendes Monster, spricht etwa der wissenschaftstheoretische Grundsatz, bei mehreren möglichen Erklärungen für ein Phänomen sei die einfachere vorzuziehen („Ockhams Rasiermesser“).

Nachdem verschiedene wissenschaftliche Grundprinzipien (z.B. Verifikation, Falsifikation, Induktionsproblem) sowie Kriterien für Pseudowissenschaften gemeinsam erarbeitet worden waren, galt es dann, die erworbenen Grundkenntnisse auf unterschiedliche mehr oder minder krude Theorien anzuwenden und sie auf den Verdacht der Unwissenschaftlichkeit hin zu untersuchen. Hierzu gehörten etwa der Bereich Astrologie (Einfluss von Sternenkonstellationen auf das menschliche Schicksal), die Bibelcode-Hypothese (Überzeugung, im hebräischen Originaltext des Alten Testaments sei eine codierte verborgene Botschaft enthalten), die Prä-Astronautik-These (Annahme, die vorgeschichtlichen Hochkulturen und Religionen der Menschheit seien durch Außerirdische begründet worden) oder Wilhelm Reichs Orgonomie (Überzeugung, die Welt sei von einer kosmischen Lebensenergie, dem Orgon, durchdrungen, welche man mithilfe sogenannter Orgon-Akkumulatoren oder Orgon-Kanonen nutzen könne).

Insgesamt ergaben sich spannende  Präsentationen, engagierte Diskussionen und eine Vielzahl neuer Erkenntnisse. Eine herzliche Einladung ergeht an alle, auch im nächsten Jahr wieder mit dabei zu sein!

Philosophie-Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums schnuppern Uni-Luft

Auf Einladung des Zentrums für Promovierende an der Universität Osnabrück (ZePrOs) konnten am 02.02.2011 einzelne interessierte Philosophie-Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 und Q2 sowie Teilnehmer der Philosophie-AG als Zuhörer am Streitgespräch "Naturverständnis und Menschenbild - Was erklärt uns die Hirnforschung" im Rahmen der Ringvorlesung Wissenschaftstheorie teilnehmen.


Prof. Dr. Gerhard Roth, ein renommierter Hirnforscher und Philosoph, stellte zunächst vier Thesen auf bezüglich des Verhältnisses von Gehirn, Geist, Wille und menschlicher Freiheit. Schnell wurde klar, dass Gerhard Roth sich zwar nicht als strengen Deterministen sieht, aber dennoch die Vorstellung eines freien Willens aus neurowissenschaftlicher Sicht ablehnt. Seine Position wurde dann dann von der Philosophin und Physikerin Prof. Dr. Brigitte Falkenburg kommentiert und kritisch beleuchtet. Schließlich bekam auch das Publikum die Gelegenheit Rückfragen zu stellen und eingene Diskussionsbeiträge einzubringen.


Neben der Erfahrung, einmal bereits aus dem Unterricht bekannte Denker wie Gerhard Roth hautnah im wissenschaftlichen Disput zu erleben, beeindruckten nachhaltig auch die besonderen Einblicke in das studentische Lernumfeld unsere Schülerinnen und Schüler - insgesamt eine spannende Veranstaltung!